Die Altstadt gehört uns!

Altstadt„Die Altstadt muss weiter allen, auch Jugendlichen, gehören. Wir lassen uns nicht unsere Jugend- und Nachtkultur kaputt machen!“, so Lars Eppinger, Mitglied der Linksjugend [’solid] Heidelberg, zur geplanten Verlängerung der Sperrzeiten in der Heidelberger Altstadt: „Mit der Verlängerung der Sperrzeiten nimmt man Jugenkultur den Raum zur Entfaltung. Daher spricht sich die Linksjugend [’solid] Heidelberg ganz klar gegen die geplante Verlängerung aus.“

Das Nachtleben gehört zu Heidelberg wie das Schloss. Dies wissen alle, die einmal die Heidelberger Altstadt besucht haben. Kneipe neben Kneipe, Club an Club. Wer sich Tags in der Uni beim Lernen abmüht, kann so abends schön durch das bunte und vielfältige Nachtleben ziehen und zusammen mit FreundInnen die wunderschöne Atmosphäre genießen. Derzeit ist damit werktags um 3 Uhr und am Wochenende um 5 Uhr Schluss – dann müssen die Kneipen und Clubs dichtmachen.
So gibt es die Landesregierung in Baden-Württemberg leider vor. Aufgrund einer Beschwerde weniger AnwohnerInnen soll dies allerdings in Zukunft anders aussehen. So soll die Altstadt bereits um 1 Uhr werktags und 3 Uhr am Wochenende dicht sein. „Es sollte jedem klar sein, auf was man sich einlässt wenn man in die Altstadt einer der ältesten Universitätsstädte Europas zieht“, argumentiert Eppinger weiter: „Die Sperrzeiten zu verkürzen, hätte letztlich nur den Effekt, dass größere Menschenmassen viel eher aus den Bars müssten und der Geräuschpegel gegen 1 Uhr schlicht höher wäre. Damit würde sich die Situation tendenziell eher verschlechtern.“

Auch der Heidelberger Jugendgemeinderat entschied sich am 29.11. mehrheitlich gegen die neue Regelung. Yannick Scharf, Mitglied des Jugendgemeinderates, zeigt sich froh über die Entscheidung: „Der Beschluss des Jugendgemeinderates war ein sehr wichtiges Signal, das zeigte, dass sich das Gremium für die Interessen der Jugendlichen einsetzt und dabei auch den Mut hat, sich gegen Vorlagen der Stadt zu stellen. Ich hoffe, dass jetzt auch der Gemeinderat
erkennt, wie viele Gründe gegen verschärfte Sperrzeiten sprechen und sich nicht dem Druck einzelner Verbände und InteressensvertreterInnen beugt. Eine Einführung verschärfter Sperrzeiten hätte fatale Folgen für die Heidelberger Kultur und wäre ein Schritt hin zu einer restriktiven Stadtgesellschaft“.

Die Linksjugend [’solid] Heidelberg schließt sich dieser Positionierung vollstens an und hofft, dass sich der Heidelberger Gemeinderat die Anliegen von Jugendlichen zu Herzen nimmt und eine Entscheidung zugunsten der städtischen Kultur trifft.

Ein Kommentar

  1. Liebe Linke,

    nur um das von Anfang an klarzustellen: Ich habe Die Linke gewählt, lokal und auch im Bund und bin nun doch etwas verärgert über die Haltung der Partei zu der Sperrzeitendiskussion.

    Die völlig einseitige Wahrnehmung in Sachen Altstadt ist schwer erträglich. Die Altstadt ist und bleibt ein Wohnviertel mit sehr liberalen Bewohnern, die es klaglos ertragen, das HeidelbergEvent die Altstadt für Veranstaltungen jeglicher Art mißbraucht, die es klaglos ertragen, wenn wieder Touristenströme die Altstadtgassen verstopfen und sich aufführen, als hätten sie die Stadt gekauft.
    Wenn jemand die Altstadt zu einer Sonderwirtschaftzone machen möchte, sollte er sich gleich auf erheblichen Widerstand einstellen.

    Nun macht sich die Partei gemein mit der CDU, deren einziges Interesse darin besteht, ein paar geldgeilen kapitalistischen Drogendealern die Einnahmequelle zu sichern und diese scheren sich einen feuchten Dreck um die Kultur – Hauptsache die Kasse klingelt. Saufen ist keine kulturelle Errungenschaft. Es wäre erfrischend zu hören, wenn sich die Partei auch Gedanken um die gesundheitlichen Aspekte von Alkoholmißbrauch machen würde. Raucher werden gnadenlos gejagt – Säufer sind eine hochkulturelle Klientel?

    Und nun noch ein paar Worte zu einzelnen falschen Argumenten und damit Sie diese richtig einordnen können, möchte ich Ihnen etwas über mich erzählen. Ich bin 2003 von Köln nach Heidelberg gezogen, also dem Feiern nicht wirklich abgeneigt – Alaaf!

    Seit 2003 hat sich die Situation in der Altstadt allerdings verschlechtert und hat in der Folge dazu geführt, daß sich Widerstand regt.

    1) »Das Ausgehverhalten hat sich verändert.«
    Mit dem Argument habe ich ein ziemliches Problem. Wie kann sich das Ausgehverhalten ändern, wenn man nicht zuerst ein entsprechendes Angebot macht? Wie haben die Menschen die Stadt zu Änderungen der Sperrzeitenregelung bewegt? Haben diese Menschen nachts auf dem Altstadtpflaster gesessen und lautstarke Forderungen skandiert, die Kneipen endlich aufzumachen? Nein, haben sie nicht.

    2) »Lebendige Kneipenkultur«
    Das ist eine ziemlich hohle Begrifflichkeit. Kneipe und Kultur auf diese Weise zu vereinen, muß einem Säuferhirn entsprungen sein. Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Man kann auf Kulturveranstaltungen gerne ein paar Gläschen trinken – keine Einwände. Aber sich in oder vor einer Kneipe zu besaufen, hat nichts, aber auch gar nichts mit Kultur zu tun. Besonders wenn die soziale Kompetenz darunter leidet. Und darum geht es bei dem Widerstand der Anwohner – den Verlust sozialer Kompetenz durch die Besucher der Altstadt.

    3) »Es sollte jedem klar sein, auf was man sich einlässt, wenn man in die Altstadt einer der ältesten Universitätsstädte Europas zieht. – Eine Einführung verschärfter Sperrzeiten hätte fatale Folgen für die Heidelberger Kultur und wäre ein Schritt hin zu einer restriktiven Stadtgesellschaft.«
    Noch zwei so ein hohle Sätze, um eine völlig realitätsferne Sichtweise durchzudrücken. Es soll eine Menge Menschen geben, die schon sehr lange in der Altstadt leben und daher sind sie nicht Hinzugezogene, die sich nicht im klaren waren, worauf sie sich einlassen. Ein kleiner Einschub um Studierende zu ärgern: Wenn sie nach einem anstrengenden Tag an der Uni noch das Bedürfnis zum Feiern haben, sollte man dringend mit der Universitätsleitung über die Anhebung des Leistungsniveaus reden.
    Und nein, die Bewohner der Altstadt sind keine Idioten, und sie sind auch nicht gegen Kultur, aber noch einmal: Sie sind gegen den Verlust sozialer Kompetenz der Besucher!

    »Heidelberger Kultur – restriktive Stadtgesellschaft«
    Wow! Da packt der Herr Eppinger aber den argumentativen Hammer aus. Da ich eine liberale Einstellung pflege, fühle ich mich nicht beleidigt, wenn man mich als Kulturbanausen und Anhänger einer restriktiven Stadtgesellschaft anspricht. Auf Grund seines Alters ist Herr Eppinger eher noch nicht gereift genug, um die Problematik solcher Aussagen zu begreifen – aber das kann ja noch werden.
    Und die Gleichsetzung von Heidelberger Kultur mit einer Lebendigen Kneipenkultur – na ja, dann ist es tatsächlich schlecht bestellt um die Heidelberger Kultur.

    Und nun zum Schlußwort:
    Mit der Haltung von Frau Mirow im Gemeinderat, die wie ich lesen konnte, aus einer der feierwütigsten Städte Deutschlands stammt, hat sie mit ihrer Entscheidung der CDU zu folgen, genau denen den Ball in die Füße gespielt, die sie bekämpft. Das kannte ich bisher nur von der SPD.
    Jetzt wird ein Gerichtsurteil den Streit entscheiden. Die Richter werden sich nicht von Schlagwörtern wie »restriktive Stadtgesellschaft« beeindrucken lassen. Sie, Frau Mirow, haben der Heidelberger Kultur einen Bärendienst erwiesen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Harald Kaegbein

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