Rechtsradikale Burschenschaften gehören nicht nach Heidelberg

DIE LINKE Heidelberg fordert eine lückenlose Aufklärung des antisemitischen Übergriffs am 29.08. in den Räumen der Burschenschaft „Normannia“ in Heidelberg.

Rechtsradikales Denken in Burschenschaften ist keine Neuheit. Sie sind das Scharnier zwischen dem rechtskonservativen Bürgertum und der rechtsradikalen Szene. Auch bieten Burschenschaften ein öffentliches Podium für rechtes Gedankengut: Personen aus Neonazigruppen wie der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“, dem unterstützenden Kreis um den NSU, marktlibertäre Thinktanks, die antisemitische Piusbruderschaft wie Franz Schmidberger und auch die identitäre Bewegung sprechen dort. Auch Einladungen an Personen aus sogenannten „gemäßigten“ Kreisen sind ebenfalls keine Seltenheit: Zu ihnen gesellen sich unter anderem Personen aus dem rechten Rand der CDU, um den Anschluss zur sogenannten „bürgerlichen Mitte“ zu bewahren.

Laut der Antifaschistischen Initiative Heidelberg war Antisemitismus bei der Gründung der Burschenschaft „Normannia“ im Jahr 1890 ein wesentliches Merkmal – und ist es seither. Wirft man einen Blick auf die Ereignisse vor, während und nach der NS-Diktatur, liegt die Verwandtschaft mit der Ideologie des Nationalsozialismus klar auf der Hand. Schon 1920 beschloss die Deutsche Burschenschaft als Dachverband deutscher und österreichischer Burschenschaften einen „Arierparagrafen“, der besagte, dass jeder Burschenschaftler „nach bestem Wissen und Gewissen frei von jüdischem oder farbigem Bluteinschlag“ sein müsse. Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933/34 bekannten sich die Burschenschaften schlussendlich zur Ideologie der Nazis und nannten sich 1937 in „NS-Kameradschaft Normannia“ um. Der klare Bezug zum Rassendenken ist auch in der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ zu erkennen, deren Gründungsmitglied die Normannia 1961 war. Dort ist von einem „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ die Rede. Ziel der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ war es, rechtsradikale Positionen wieder salonfähig zu machen.

Wir als die Linke Heidelberg fordern angesichts der Tat und der Vorgeschichte der Burschenschaft „Normannia“ weitreichende Konsequenzen. Nach den rechtsradikalen Anschlägen Anfang dieses Jahres müssen wir deutlich machen, dass diese Arten von Burschenschaften in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.