"Wir müssen bestehende Häuser besser nutzen, anstatt neue zu bauen"
Rückblick auf Vortrag & Diskussion mit Stefan Flaig am 23. Juli 2026 im Weingut Wehweck Schriesheim
Ob in Schriesheim ein Neubaugebiet südlich des Schlittwegs entstehen soll, darüber berät aktuell der Gemeinderat. Während die Kosten des Prüfprozesses sich auf mittlerweile bis zu 135.000 Euro belaufen, bleibt die Frage, ob das Projekt überhaupt Wohnraum-Probleme lösen kann. Der Geograph und Experte für Siedlungsentwicklung Stefan Flaig (Ökonsult Stuttgart) sagt: ganz klar Nein. Am 23. Juli 2026 führte er bei einem Vortrag mit anschließender Diskussion aus, warum – und welche Lösungen stattdessen angegangen werden müssen.
“Die Wohnungsnot ist in Wahrheit eine Wohnungspreisnot”
Gut 30 interessierte Schriesheimerinnen und Schriesheimer hatten sich ab 19 Uhr im Weingut Wehweck versammelt. Justus Heine, Kreistagsabgeordneter für Die Linke, hatte zur Veranstaltung eingeladen und übergab nach einer kurzen Begrüßung an Stefan Flaig. Dieser machte zum Einstieg klar, dass der demografische Wandel der entscheidende Faktor ist. „Die Wohnungsnot ist in Wahrheit eine Wohnungspreisnot“, fasste Flaig zusammen. „Der Wohnraum, den wir brauchen, ist bereits vorhanden. Er ist nur zu schlecht verteilt und zu teuer.“
Grund dafür ist vor allem unsere alternde Gesellschaft, das veranschaulichte der Experte an aktuellen Zensus-Daten. So sind mehr als drei Viertel aller Immobilien in Schriesheim Ein- oder Zweifamilienhäuser. Davon werden 40 Prozent von nur einer Person bewohnt. Daher kommt auch die hohe durchschnittliche Wohnfläche von über 90 m² pro Person. Junge Familien finden hingegen keinen passenden Wohnraum für die Haushaltsgründung. Für ältere Menschen, die sich räumlich verkleinern wollen, werden gleichzeitig selbst kleine Wohnungen durch den angespannten Mietmarkt immer unerschwinglicher.
Leerstände sind schlichtweg unsozial
Die Lösung dafür ist laut Stefan Flaig jedoch mitnichten, einfach neue Häuser zu bauen. „In 40 Jahren Beschäftigung mit dem Thema habe ich bisher noch nie erlebt, dass ein Neubaugebiet die Mietpreise oder auch nur die Immobilienpreise gesenkt hat“, sagte er. Stattdessen ist laut Flaig Kommunikation der Schlüssel – zwischen Eigentümern, Erben, Senioren, jungen Familien und Gemeindeverwaltung. „Wir müssen bestehende Häuser besser nutzen, anstatt neue zu bauen“, fasste er zusammen. Leerstände seien hingegen schlichtweg unsozial. „Denn die zahlen alle Bürgerinnen und Bürger laufend mit – für die Unterhaltung ungenutzter Abwasser- und Stromanschlüsse sowie zusätzliche für den Neubau, plus einen steigenden Mietspiegel.“
Wir bedanken uns herzlich bei Stefan Flaig für die wichtigen Impulse und hoffen, dass der Gemeinderat der Stadt Schriesheim diese berücksichtigt.




